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Überflüssige Blogrolls? ::: Überbleibsel oder Hingucker?

Tanta aka Jürgen forderte vor kurzem dazu auf, auf die Blogroll, also die Links zu anderen Blogs in der Seitenleiste zu verzichten: "Kill your blogroll". Ich fasse im Folgenden mal zusammen, wie er das in seinem englischen Artikel begründet. Eine Blogroll ist automatisch in jedem Blog enthalten und deshalb nutzen die meisten sie, ohne weiter darüber nachzudenken. Auch wenn die Grundidee gut ist, dass man den Lesern zeigt, welche Blogs man selbst liest, so sind Blogrolls inzwischen doch eher nervig, weil:
  • Freundeliste Viele Blogrolls haben eine Kategorie Freunde. Dort finden sich die Blogs, von Menschen, die der Blogbetreiber persönlich kennt. Jedoch was nützen etwaige Freunde, dem Leser?
  • Menschen lesen heutzutage meist Feeds, nicht das Blog auf der Webseite Die meisten sehen die Blogroll daher gar nicht mehr.
  • Fast alle Blogrolls sind veraltet Die wenigsten aktualisieren ihre Blogroll wirklich so regelmäßig, dass sie genau das wiedergibt, was sie gerade bevorzugt lesen. Außerdem viele lesen auch in sehr vielen Blogs, wieviele davon werden in der Blogroll angezeigt?
  • Blogs sind nicht immer gut Die Blogroll sagt "Autor X ist lesenswert", keiner dieser Autoren ist immer gleich gut und gleich lesenswert. Empfiehlt man ein Blog und ein Leser folgt dem Link, kann es sein, dass gerade die drei aktuellen Artikel gar nicht gut und interessant sind, weil es womöglich die schlechtesten sind, die der Autor jemals schrieb. Blogrolls mögen sinnvoll sein, wenn man wirklich von Website zu Website geht und durch einzelne navigiert, um zu sehen was dort geschrieben wird. Jedoch heutzutage macht das kaum noch jemand.
Deshalb sind doch die direkten Links auf einen Artikel viel sinnvoller, denn da verlinkt man genau auf den guten Artikel, den man gerade meint. Je nachdem wieviel man selbst schreibt und wie es passt, können es Links innerhalb eines eigenen Beitrags sein, oder eben auch wöchentliche Linklisten. Auf diese Art bekommen die Leser tatsächlich genau die Eindrücke und Beiträge, von denen man selbst wollte, dass die eigenen Leser sie wahrnehmen und anschließend vielleicht das verlinkte Blog regelmäßig lesen oder auch nicht, wie auch immer, das sollte man den Lesern überlassen.

Blogroll aus meiner Sicht

Ähnlich wie Jürgen es in seinem Artikel beschreibt, hatte ich erst einmal eine Blogroll. WordPress packt da ein paar Links rein, die ich sowieso nicht wollte, also habe ich ein paar eigene eingefügt. Immer mal wieder räume ich die Blogroll schon auch auf, aber manche Blogs sind nur deshalb nicht drin, weil sie nicht in die Kategorien der Links passen, die ich angelegt habe. Ich denke an vielen Punkten passen die Argumente:
  • Ich habe jetzt keine Freundesliste, da ich im persönlichen Umfeld fast ausschließlich mit Menschen Kontakt habe, die kaum wissen was Blogs sind.
  • Aber ich selbst lese tatsächlich sehr selten auf der Website eines Blogs, sondern gerade wenn ich ein Blog regelmäßig lese, dann nur im Feedreader. Zum Kommentieren verirre ich mich mal auf ein Blog. Einige ganz wenige lese ich noch, obwohl sie einen gekürzten Feed anbieten, doch da lese ich viel seltener auch mal einen ganzen Beitrag, noch seltener kommentiere ich dort.
  • Manch ein Blog war noch in meiner Blogroll, als ich es schon nicht mehr las. Mir fiel ähnliches bei vielen auf, die basicthinking noch lange nach dem Verkauf unter Robert Basic verlinkt hatten.
  • Mir geht es bei einigen Blogs so, dass ich immer mal wieder einen Artikel sehr gern lese, aber doch mit vielen anderen Beiträgen nichts anfangen kann. Das ist nicht schlimm, ich weiß das für mich und sortiere entsprechend. Aber keins dieser Blogs würde es in die Blogroll schaffen, weil es nicht regelmäßig genug für mich lesenswerte Artikel gibt.
Ein weiterer Punkt ist, dass es mir schon zu lästig ist alles zu pflegen. Je nachdem wie man abonniert, lässt sich das automatisieren, aber das würde ich nicht wollen. Ich lese sicher regelmäßig deutlich über hundert Blogs, aber eben sehr selektiv. Je nachdem wieviel Zeit ich habe, lese ich auch mal eine Woche gar nicht, wenn dann 6000 Beiträge anstehen, lese ich noch weniger als im Durchschnitt. Genau so und nach welchen Kriterien, ich dann schneller oder langsamer sehr viel als gelesen markiere, lässt es sich in der Blogroll nicht abbilden.

Weg mit der Blogroll?

Nein, auch wer jetzt im Feed liest, nein im Moment gibts die Blogroll und auch in schon länger nicht aktualisierter Form. Aber ja, auf Dauer kommt die Blogroll vielleicht weg. Ich nutze ja schon immer eher eine eingeschränkte Blogroll und verteile je nach Thema zwischen hier und uteles Blog. Trotz aller Einschränkung sind auch das nicht immer die echten Top-Blogs, die mir grad am wichtigsten sind. Ich verlinke sowieso gern und viel, sei es in Artikeln oder mit wöchentlichen Linklisten. Im Grunde zeigen diese Beiträge eher, was mich grad interessiert hat. Wobei natürlich auch einige Links vorkommen, die sich nur auf einen Artikel beziehen, von dem ich irgendwo las, nicht jedes Blog, jede Webseite, die verlinke, lese ich regelmäßig. Ich werde jetzt nicht sofort alles umstellen, aber ich werde mir mal genauer überlegen, warum ich eigentlich eine Blogroll habe...

Noch keine Kommentare

  • onli
    onli  
    Ich bin da ja ebenfalls etwas zwiegespalten. Dirk habe ich noch extra in der Seitenleiste verlinkt, aber eigentlich habe ich keine Blogroll, eben aus genau dieser Überlegung: Als Leser nutze ich sowas eigentlich nie. Die Alternative ist das Verlinken der Artikel. Deine Linktipps lese ich zum Beispiel sehr gerne, ich glaube, davon hat der Leser mehr. Bei mir sind die Empfehlungen über den Feedreader in die Seitenleiste des Blogs gewandert. Sieht man natürlich im Feed nicht, ist aber auch ein Weg, gelungene oder wichtige Artikel "aufzubewahren" - und nebenbei verweist man auf Blogs, die man liest (bei mir nur etwas verfälscht, weil ich versucht habe, techniklastiges da etwas außen vor zu lassen). Gruß
  • ute
    ute  
    onli: Die Alternative ist das Verlinken der Artikel. Deine Linktipps lese ich zum Beispiel sehr gerne, ich glaube, davon hat der Leser mehr. Ich denke eben auch, denn wenn ich konkret schreibe, dieses oder jenes fand ich gut, witzig, spannend... Dann gilt es eben genau für diesen Artikel, die Blogroll zeigt halt irgendwas... onli: Bei mir sind die Empfehlungen über den Feedreader in die Seitenleiste des Blogs gewandert. Sieht man natürlich im Feed nicht, ist aber auch ein Weg, gelungene oder wichtige Artikel “aufzubewahren” - und nebenbei verweist man auf Blogs, die man liest (bei mir nur etwas verfälscht, weil ich versucht habe, techniklastiges da etwas außen vor zu lassen). Machst du das halbautomatisch? Der Google Reader bietet das wahrscheinlich an, oder? Habe ich mich letztens schon mal gefragt, beim Kommentieren sieht man die Links ja durchaus. Wobei ich, sorry, jetzt erst bemerkt habe, dass es da nicht nur die drei gibt, die jeweils angezeigt werden... ups. ;-) Prinzipiell glaube ich eben, deine Variante oder auch meine wöchentlichen Links, das sind Formen, die wesentlich sinnvoller und deutlich aktueller Mehrwert für die Leser bieten, als die guten alten Blogrolls. Für mich kristallisiert sich immer mehr heraus, dass ich die Varianten von einzelnen Links den Gesamt-Blogrolls vorziehe. Die ein oder andere Ausnahme gibt es da noch: Beispielsweise der Link zur BlogSecurity von WordPress, ich halte es für sinnvoll deren Blog zu abonnieren, aber ich finde es nicht sinnvoll jedesmal auf Lücken hinzuweisen, wenn welche gefunden werden. Ich überlege weiter...
  • Dieter
    Dieter  
    Ich habe auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit der herkömmlichen Blogroll. Wohl unbewusst habe ich deshalb auch für meine neue Spielwiese Webseiten-Infos.de etwas Neues mit der Blogroll ausprobiert. Ich lasse immer fünf zufällig ausgewählte Linktipps auf den Seiten in der sog. Subcolumn rechts unten erscheinen und wenn man Linkliste anklickt, kommt man auf eine Seite mit allen Linktipps einschließlich einer Kurzbeschreibung des wesentlichen Inhalts der Blogs oder Webseiten. Wie ich das realisiert habe - werde ich leider erst in einigen Wochen - in einem Blogbeitrag beschreiben. Wie Du hier habe ich auch Kategorien verwendet.
  • ute
    ute  
    Dieter: Ich habe auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit der herkömmlichen Blogroll. Noch einer! ;-) Ja, ich denke einfach mal so ein paar Links in der Blogroll, das ist einfach nicht mehr der richtige Weg. Die zufälligen Wechsel, sowohl bei dir, wie auch bei onli finde ich gut. Was mir noch fehlt ist ein Hinweis, dass es da noch mehr gibt. Kann natürlich auch daran liegen, dass es noch neu ist, im Gegensatz zu anderen Blogfunktionen weiß man halt noch nicht, was sich da noch alles verstecken kann. Ich bin jedenfalls grad sehr zufrieden. Nach dem Artikel von tante, hatte ich noch Bedenken, ob es gut ist, sich allmählich von der Blogroll zu verabschieden, trotz der Argumente. Doch so im Gespräch wurde ich jetzt immer sicherer, dass es ganz klar demnächst ansteht, eine andere Version auszuprobieren.
  • Dirk Deimeke
    Dirk Deimeke  
    Ich bin (für mich selber) gegen Blogrolls. Noch einer! Zum Einen bin ich Fan von hoher Verlinkung und davon, dass sich die Blogosphäre untereinander vernetzt. Verlinkung kann sowohl in Artikeln als auch in Kommentaren passieren. Ein Teil der Blogs, die ich lese, lässt sich so finden. Zum Anderen lese ich zwischen 250 und 300 Feeds. Feeds sind mittlerweile meine Haupt-Informationsquelle. Soll ich die alle jetzt in eine Blogroll packen? Wer schaut sich so etwas an? (Ich nicht, wegen der Feeds).
  • onli
    onli  
    Machst du das halbautomatisch? Der Google Reader bietet das wahrscheinlich an, oder? Genau. Es gibt einen Empfehlen-Knopf und ein Widget, das man einfach nur in die Seitenleiste einbinden muss. Ich finde es übrigens ganz ok, dass man nicht gleich sieht, dass da mehr ist, die drei Titel der verlinkten Beiträge sind schon für sich Link genug. Interessant, dass sich hier kein Fürsprecher der Blogroll findet.
  • ute
    ute  
    Dirk Deimeke: Zum Einen bin ich Fan von hoher Verlinkung und davon, dass sich die Blogosphäre untereinander vernetzt. Das ist mir auch wichtig, deshalb verlinke ich auch wann immer es passt. Dirk Deimeke: Zum Anderen lese ich zwischen 250 und 300 Feeds. Feeds sind mittlerweile meine Haupt-Informationsquelle. Ganz so viele lese ich nicht, da ich immer mal wieder auch rauswerf, aber ich lese auch vor allem Feeds. Dirk Deimeke: Soll ich die alle jetzt in eine Blogroll packen? Wer schaut sich so etwas an? Es gibt teils Blogger, die das machen, da gibts dann Blogrolls die eben ins Unendliche gehen. Ich glaube auch nicht, dass das jemand liest. onli: Es gibt einen Empfehlen-Knopf und ein Widget Gute und einfache Idee, ich mag halt keinen Google-Reader ist, aber das lässt sich auch anders realisieren. onli: Ich finde es übrigens ganz ok, dass man nicht gleich sieht, dass da mehr ist, Jein, aus meiner Sicht. Klar sobald ich erstmals einen Link so spannend finde, dass ich dahin navigiere, weiß ich es ja. Gut finde ich auch, dass da keine riesige Liste ist, sondern eben drei auf einen Blick überschaubare Links. Aber ich hätte wohl schon eher mal gestöbert, wenn ich gewusst hätte, dass es auch noch mehr gibt. Andererseits ist es damit eben eher etwas für Stammleser, die den zufälligen Besuchern vorzuziehen finde ich ja richtig, mache ich ja auch, wenn es geht. onli: Interessant, dass sich hier kein Fürsprecher der Blogroll findet. Das finde ich richtig klasse. Ich hatte auch befürchtet, dass unzählige Gegner kommen mit Argumenten, dass aber doch Tool XY, die Links aus Blogrolls nochmal anders wertet und dass man doch Freunde zeigen muss und überhaupt... Sehr angenehm, dass es hier niemand so sieht, dem es wichtig genug ist auch zu kommentieren. Das bestätigt mein Gefühl, dass es gut ist davon weitgehend Abstand zu nehmen.
  • Dieter
    Dieter  
    Dieter: Ich lasse immer fünf zufällig ausgewählte Linktipps auf den Seiten in der sog. Subcolumn rechts unten erscheinen und wenn man Linkliste anklickt, kommt man auf eine Seite mit allen Linktipps einschließlich einer Kurzbeschreibung des wesentlichen Inhalts der Blogs oder Webseiten. Wie ich das realisiert habe - werde ich leider erst in einigen Wochen - in einem Blogbeitrag beschreiben.Wie Du hier habe ich auch Kategorien verwendet. Habe heute den avisierten Blogbeitrag fertig bekommen. Er ist unter http://www.webseiten-infos.de/erstellen-einer-statischen-seite-mit-linkliste/ zu finden. :-)
  • Robert Lender
    Robert Lender  
    Ich selbst habe keine Blogroll auf meiner Seite, empfehle aber gerne in meinen Artikel andere Blogs bzw. einzelne Artikel. Was ich aber in der obigen Liste nicht unterschreiben kann ist, dass die meisten nur mehr per Feedreader lesen. Das mag auf eine spezielle Gruppe zutreffen (so wie mich ;-) Aber viele die ich kenne, die durchaus im Web zu Hause sind, haben keinen Feedreader oder wissen nicht mal genau, was sie damit machen sollen. Und will ich kommentieren, mehr nachsehen, dann komme ich doch auch wieder auf das Blog. Daher ist das Aussehen durchaus wichtig. Wenn es auch nur der "erste Eindruck" ist, sprich für die gestaltet ist, die zum ersten Mal auf das eigene Blog surfen. Aber zurück zur Blogroll. Ich mag eigentlich keine allgemein gültigen Ratschläge was denn nun in einem Blog erlaubt sei und was nicht. Es gibt immer gute Gegenbeispiele. Daher nutze eine Blogroll wenn es dir gefällt. Ich selbst klicke auch selten hinein, weil mir die reine Namensliste nicht viel sagt. Ich bräuchte mehr Anreiz auf einen Link in einer Blogroll zu klicken.
  • ute
    ute  
    Ich denke, ich werde demnächst umstellen. Denn meist ist die Blogroll sowieso nicht vollständig oder veraltet. Hinzu kommt das Argument, dass damit auf ein Blog verwiesen wird, in dem grad heute vielleicht kein toller Artikel steht, wenn jemand nachsieht. Da ich wöchentlich auf das verweise, was ich gelesen habe, überlege ich grad eher darauf hinzuweisen, denn damit beziehe ich mich eben exakt auf die Artikel, die ich lesenswert fand. Ob jemand daraufhin ein anderes Blog gut findet und es abonniert, kann er oder sie ja dann noch entscheiden. Wie genau das aussehen wird, weiß ich noch nicht, aber ich denke an einen klaren Hinweis auf diese Linklisten. Robert Lender: Ich selbst klicke auch selten hinein, weil mir die reine Namensliste nicht viel sagt. Um das zu verbesseren haben die Links bei mir noch einen Titel, der beim hover angezeigt wird, aber das sieht man natürlich erst, wenn man bereits einen Link gewählt hat.

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