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Episode 7: Requirements für die Vorstudie ::: Softwareprojekte

An einem verregneten Morgen kam Giuseppe mit einem Fremden zur Türe herein. Hans, Karl und Orlando waren sofort ziemlich nervös. Nie kam Giuseppe persönlich zu ihnen in die Häckerecke. „Ich möchte euch über unsere neuesten Familienaktivitäten unterrichten“, begann Giuseppe. „Wir haben mit einer Familie in einer anderen Stadt funssioniert. Unsere Geschäftsfelder passen optimal zusammen. Die neue Familie hat sich auf die Verteilung von bewusstseinserweiternden Mitteln spezialisiert. Wir sind gut im Geld waschen und zusammen können wir sehr viel Profit für die Familien erwirtschaften. Die andere Familie hat ebenfalls ein Verwaltungssystem und wir müssen unsere Systeme miteinander verschmelzen.“

Orlando war begeistert

„Das ist ja toll! Da können wir sicher voneinander profitieren und neue Integrationsmethoden lernen.“ Hans und Karl standen etwas abseits und ihre Gesichtsfarbe glich der Wand. Sie waren schneeweiß. Hans stotterte: „Das bedeutet nicht nur neue Funktionalität sondern eine Erweiterung der Basisfunktionalität. Wir haben kein System erstellt das mandantenfähig oder auf Austausch mit anderen Systemen ausgelegt ist.“ Giuseppe grinste: „Bevor wir weiter reden möchte ich euch Thomas vorstellen. Thomas ist ein Softwarearchitekt und Projektleiter der im Bereich der Fusionierung von Firmen schon mehrmals wahre Wunder vollbracht hat. Wir haben ihn eingestellt um die beiden Firmen sicher miteinander verbinden zu können. Weiterhin haben wir diverse Expansionspläne erarbeitet. Dem Familienrat ist klar, dass unsere heutigen Verwaltungssysteme uns nicht weiter optimal unterstützen können. Das bedeutet wir werden investieren und ihr braucht euch vorerst keine Sorgen um Betonschuhe und Tauchgänge machen.“ Giuseppe verabschiedete sich und Thomas ließ sich von den Dreien in die bestehende Umgebung einführen.

Eintrag in das Projekttagebuch von Thomas

Wie immer endete der erste Tag mit „das schaff ich nie“ Gedanken. Davon lass ich mich natürlich nicht abschrecken. Die drei Kollegen sind ziemlich eingeschüchtert und haben Angst. Ich bin neu in der Firma und werde das Problem hoffentlich bald erkennen. Was Giuseppe mit den Betonschuhen und Tauchgängen gemeint hat, verstehe ich noch nicht. Folgende Punkte habe ich bereits erkannt:
  • Giuseppe scheint ein ziemlich unstrukturierter Auftraggeber zu sein. Seine Ziele sind unklar und müssen genauer analysiert werden.
  • Die Firma befindet sich in einer Fusionierungsphase und das bedeutet einen enormen Change, sowohl bei der Infrastruktur wie auch bei den Mitarbeitern.
  • Die Fähigkeiten der drei Entwickler schätze ich als ausreichend ein. Sie sind Bastler und müssen zuerst an eine vernünftige Vorgehensweise gewöhnt werden.
  • Das Verwaltungssystem ist monolitisch aufgebaut.
  • Es besteht aus Eigenentwicklung ohne offenen Standards
  • Die Strategie und die Pläne der Firma sind nicht klar beschrieben. Hier muss eine umfassende Anforderungsanalyse durchgeführt werden.
  • Projektmanagement-Prozesse und -Vorlagen sind nicht vorhanden

Was hat Thomas an seinem ersten Tag gemacht?

Er hat begonnen sich ein allgemeines Bild der Lage zu machen. Er hat die vorhandenen Rahmenbedingungen abgesteckt. Am ersten Tag ist es unmöglich schon alles zu überblicken. Er muss sich an das Thema herantasten. Mit seiner Aufzählung hat er weiterhin begonnen eine Schwachstellenanalyse durchzuführen. Die Eckpunkte werden ihm helfen die Vorstudie erstellen zu können. Das bedeutet, dass man eine Vorstudie erst erstellen kann, wenn man hierfür schon diverse Anforderungen zusammengestellt hat. Diese Aussage klingt logisch, doch einige Kollegen erstellen Vorstudien ohne das tatsächliche Problem zu beschreiben. Vor allem bei Projekten die ähnlich aussehen wie bereits erstellte, verfällt der Projektleiter gerne in den Modus „Hey das kenne ich, das mach ich gleich nochmal!“ Ich kann davon nur abraten. Ein paar Stunden, oder gar Tage, Anforderungen zusammen tragen, spart im Projektverlauf das vielfache an Ärger und Kosten. Einen Nachteil hat diese Vorgehensweise: Niemand bekommt hinterher mit, dass sinnvolle Vorarbeit geleistet wurde. Das kann manchmal ziemlich frustrierend sein. Aber so ist das Projektleben. Wenn es gut läuft wird niemand etwas vom Projekt mitbekommen. Dann ist es einfach fertig gestellt worden.

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